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Das Unternehmen Artes beauftragte mich im November 1999 den Konferenzsaal bildnerisch
zu gestalten. Als Ort der Repräsentation und Diskussion suchen
wir ein inhaltliches Konzept, das über das dekorative hinausgeht.

Virtuelle Voransicht
eines nicht-umgesetzten Entwurfs
Die Theorie
"Welcher Zusammenhang besteht zwischen einem Bild und seinem
Hängungsort? Wieso hängt in jedem"besseren" Wartezimmer
ein Kandinsky? Welche Beziehung hat das Bild zu seinem Raum? Was wenn man die Mitarbeiter nicht erst bei der Hängung sondern bereits bei der Bildentwicklung mit einbezieht?
Ich denke an den kleinen Prinzen von Saint-Exupery,
der sagt, daß wir unser Lebensumfeld, um es lieben zu können, mit Bedeutung und Beziehungen
aufladen müssen. Dadurch wird
aus den Dingen etwas Besonderes das uns Heimat gibt."
Das Basiskonzept
Ich gehe mit der Kamera an den Ort der Gestaltung. Die Digitalfotos
dienen als Ausgangsmaterial für zahlreiche einfache bildnerische Manipulationen.
Durch die Authentizität des Bildmaterials mit dem Ort sind strukturelle
Harmonien zwischen Ort , Bild und Licht impliziert. Die Veränderungen des
Bildes lassen den Ort in neuem Licht erscheinen ohne beliebig zu
sein. Unerwartete atmosphärischen Wirkungen tauchen auf.
Der Prozeß
Alle Prozesse der Raumgestaltung und Bildentwicklung finden
im Dialog mit dem Auftraggeber statt. Die Personen, für die die
Gestaltung stattfindet, werden in den bildnerischen Prozeß
eingebunden. Durch die künstlerische Moderation entsteht
ästhetische Reibung.
Die Durchführung
Im ersten Schritt werden Fotos gemacht. Aus ca. 300
Fotografien wurden von mir vier Stück vorselektiert. Die ersten
Konzepte entstehen.
Schritt A (Konzeptfindung)
Entwurf 1 Entwurf
2 Entwurf 3
Entwurf 4
Aufgrund des Bildmaterials ergeben sich zwei Ideen.
a) Ein dominanter Gegenstand des Ortes wird als Bildbasis verwendet.
In diesem Fall die Stühle des Konferenzraumes. Diese eignen sich
insofern gut, als man den Bildgegenstand sozusagen unter sich hat,
wenn man die Bilder betrachtet. Eine optisch-haptischer Synchronität.
"Ich sehe was ich spüre...". Die Wirklichkeit des
Abgebildeten umgibt den Betrachter. Rene Magrittes "C'e ne
pas un pipe" kommt in Erinnerung.
b) Raumfluchten als Bildmaterial.
Diese werden im Raum so angebracht, dass die Wände scheinbar durchlässig
werden. Welche Beziehung zwischen Raumwahrnehmung und Bildraumwahrnehmung
entsteht? Durch bildenerische Prozesse entstehen transparente Innenräume.
Die Wahrnehmung bezieht sich nicht mehr nur auf den Raum in dem
man sich befindet, sondern auch auf die dahinter liegenden Räume.
Die Mauern werden gleichsam transparent.
Die Entscheidung fällt für
das Konzept a).
Schritt B (Kompositionsfindung)
Entwürfe
Kompositionsmöglichkeiten werden
erarbeitet.
Über Internet und e-Mail werden die Skizzen besprochen, Pro und
Contra entwickelt. Da ein großes Einzelbild für den Raum zu schwer
wird suchen wir alternative Kompositionen.
Nachdem die Variante Nr.4 als passende Komposition feststeht, beginnen
wir mit der Zusammenstellung der Einzelteile. Ich suche an den Stühlen
Stellen die gänzlich neue atmosphärische Eindrücke erschaffen. Zwei
der Bilder sollen jedoch konkret genug sein, um den Rückschluß
zu den Stühlen zu erhalten.
Schritt C (Farbfindung)
Entwürfe
Die Komposition steht. Das große Bild
ist festgelegt. Bei den kleineren Bildern werden verschiedene Variationen
getestet. Der Bildfindungsprozeß verläuft identisch wie bei
der Malerei. Hinzufügen, Wegnehmen, Variieren. Neue Farbelemente
werden genau beoabachtet und führen zu immer besseren Ergebnissen.
Die Wirkung der Bilder wird in diesem Schritt genau auf den Raum
abgestimmt.
Schritt D (Die Umsetzung)
Ein letztes Mal spricht Fred Rupprecht
(der Geschäftsführer der Artes GmbH) mit mir die Entwürfe
durch. Kleine Detailänderungen werden vorgenommen. Eine situative
Bildkomposition ist entstanden:

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